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OM-Bulletin

03 / 2004

 

Fanny I.

 

 

 

 

Aktuell im OM-Bulletin

03 / 2004

 

 

Die Eskalation der Besinnlichkeit

 

 

 

 

 

 

 

bisher erschienene

OM-Bulletins

03 / 2004

02 / 2004

01 / 2004

12 / 2003

09 / 2003

S I G A R

Die Sinnreiche InterGalaktische AbwurfRampe

von

F.P.

von wem sonst?

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo Fans,

 

Fred Probst

 

nimmt in Personalunion vom OM-Präsidenten bis

hinunter zum Zeugwart sämtliche Ämter und Aufgaben wahr.

Darüber hinaus figuriert er als einziges aktives Mitglied seiner Equipe.

Olympique Mayence ist vermutlich die kleinste, wenn nicht gar feinste

Petanque-Spielvereinigung diesseits des 50. Breitengrades

 

Probst-Mainz@t-online.de

 

 

 

 

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OM-BULLETIN  9 / 2003

 

Die Weihnachtsfeier von OM findet dieses Jahr in den Räumen des Tuffli-Kiosks, Mainz, Parcusstraße, statt. Ein Barhocker wurde bereits reserviert. Von Geschenken im Wert unter 20 Euro bitten wir abzusehen.

 

*

 

F.P. ist, wie Kenner der Petanque-Szene wissen, auch der Erfinder der Sinnreichen InterGalaktischen AbwurfRampe (SIGAR), die von Neidern gern als „semi-partialer, ultikolorierter Holzkleiderbügel“ diffamiert wird. Mit seinen Exportziffern gibt F.P. allerdings allen Leumundschändern darauf die rechte Antwort! (Erst neulich ging wieder ein Exemplar an eine boulende Rentnerrunde in Ober-Hilbersheim, die seitdem schöne Spielerfolge verzeichnet.

 

*

 

Wie oft sollen wir es noch sagen: Bei Olympique Mayence herrscht totale Mitgliedersperre! In raren Ausnahmefällen und gegen Bares können indes Ehrenmitgliedschaften erworben sowie Doktorhüte (Dr. c.h. - cochonnet d‘ honnaire) verliehen werden. Des Ansturms wegen bitten wir um Geduld bei der Antragsbearbeitung.

 

*

 

Der auf dem Bouleplatz vernommene Stoßseufzer des Monats:

Liewe Zeit, was issen des bloß fer en Sport! Do stellt mer sich

hie un schmeißt e Eisekuuchel in de Dreck, dann dappt mer hie,

hebt die Kuuchel uff un schmeißt se widder in de Dreck.

Dadebei kannste doch grad verrickt wer’n!“

 

*

 

Das letzte Gerücht

Der alternative Petanque-Verband trägt sich mit der Absicht, für

Linkshänder eigene Spielregeln einzuführen und separate Turniere auszurichten. Damit soll u.a. verhindert werden, dass linke Schlaumeier links um einen dicken Baum herum nach der Sau werfen, während die Kugeln braver Rechtshänder sämtlich am Baum zerschellen. Ferner sollen Linkshänder nur noch an den ungeraden Tagen der ungeraden Monate Boule spielen dürfen. Bravo! Endlich mal ein vernünftiger Gedanke von Verbandsseite!

 

*

 

Mottowechsel

Der Wahlspruch unter dem Signet von OM lautet, wegen beklagter Unverständlichkeit seitens der lateinmuffeligen misera plebs nicht länger „Veni, vidi, vici“, sondern nunmehr:

 

„Wehret den Anfängern!“

 

(Näheres dazu im Club-Journal 8/2003, Seite 214).

 

*

 

Die Wutzwurf-Akademie in Mainz (OM!) nimmt nach den Sommerferien ihren Vorlesungs- und Übungsbetrieb wieder auf. Einschreibmöglichkeiten bis Sylvester dieses Jahres. Dauer der Ausbildung: sechs Semester. Ausbildungsziel: Maitre cochonnaire. Berufsaussichten: hierzulande zur Zeit noch mäßig, auf EU-Ebene nicht chancenlos. Geduld!

 

*

 

Damit das endlich klar wird: „Wutzenzieher“ ist die Charakterisierung eines Spielers, aus der Bewunderung spricht; mit dem Ausruf „Du Wutzenschieber!“ hingegen wird ein Bouleur unnötig kriminalisert (wenn auch mit gewissem Recht).

 

*

 

Problemfall FANNY

Angesichts der immer häufiger mit 0-13 endenden Boulepartien und den sich damit häufenden Fannies plant Olympique Mayence, ähnlich den Cheerleader-Girls im Ami-Sport, eigene Fanny-Staffeln zu Ligaspielen, Turnieren und Weltmeisterschaften zu entsenden, um der Knappheit an einsetzbaren Damen abzuhelfen. Spielgemeinschaften, Klubs und Vereine werden gebeten, bei OM die einschlägige Gebührenordnung anzufordern.

 

P.S.:

Junge Damen, die den Drang in sich spüren, die ehrenvolle Aufgabe einer Petanque-Fanny wahrzunehmen, werden gebeten, bei OM um Teilnahme an einem Ausbildungslehrgang nachzusuchen.

 

*

 

Zu OM-Ehrenwutzenwerfern des Jahres 2003 wurden ernannt:

Michael („Michi“) Wierick, Christoph („Dick“) Kissel und

Fanny Lämmle-Live sowie die „Wort zum Sonntag“-Pfarrerin

Oda-Gebbine Hölze-Stöcklein. Glückwunsch!

 

*

 

Noch nachzutragen ist, dass die Jumelage zwischen den Freien Mainzern und OM mittlerweile die schönsten Früchte trägt. So ist OM immer zu Stelle, mit Personal auszuhelfen, wenn den FM mal die Spieler ausgehen. Auch Cochonets wurden schon mehrfach  ausgeliehen. Zurückgeben macht Freude, Freunde!

 

 

 

 

 

 

In der nächsten Ausgabe dieser Nachrichten soll darüber

aufgeklärt werden, welche Alkoholika sich am besten bei

welchen Außentemperaturen und welchen Wettbewerbsarten

zum Konsumieren beim Spiel eignen.

 

 

Desweiteren:

 

Wir testen Schweinchen unter Turnier-Bedingungen.

 

*

 

Wer passt am wenigsten zu wem? Das OM-Partner-Bouloskop.

 

*

 

Wer findet die gelbe Sau? Die weiträumige Schweinchen-Schnit

zeljagd im Gonsenheimer Wald - mit Finderlohn!

 

*

 

 „Wie ich einmal beinahe ein Carreau warf!“ Der abgeschlossene 

Tatsachenbericht von ***

 

*

 

 

Bis zum nächsten Carreau! Tschüß! Euer Alfi.

 

 

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OM-BULLETIN  12 / 2003

 

*

Welcher Spielertyp ist von Natur aus blöder - der klassische Tireur

oder der notorische Pointeur ? Was ist mit dem Mischtypus, dem 

Milieu-Spieler? Gibt es auch den intelligenten Petanque-Spieler, 

und woran erkennt man ihn? Daran, dass er lieber seine Frau spie-

len lässt?  

 

*

Brauchen wir das Berufsbild eines Messdieners/einer Messdiene-

rin, und wie soll dieses Geschöpf ausgerüstet sein? Mit einem nor-

malen Maßband aus Mutters Nähkorb, mit einer modernen Mess-

spirale aus Metall, mit einer Tirette für die Feinheiten oder mit ei-

nem lasergesteuerten Messgerät mit Genauigkeit im Nanometer-

bereich? 1 nm = 0,000.000.001 m. Das sollte fürs erste reichen.

Eure Meinung?  

 

*

Beugt der von älteren Spielerinnen und Spielern gern benutzte

Kugelhebemagnet degenerativen Knochenerkrankungen wirklich

vor oder begünstigt er eher Kniegelenksarthrosen und den damit 

einhergehenden kreisförmigen Haarausfall? Ein heiteres Gespräch 

mit Sanitätsrat Dr. Roland Rübel sollte Klarheit bringen.

 

*

Dozent Martin Guillaume wird im nächsten Jahr für Petanquisten, 

die an ihrer Vervollkommnung arbeiten wollen, Theorie-Seminare

abhalten. Da Martin körperlich ein Opfer der unbarmherigen Bou-

le-Praxis geworden ist, wird er sich mehr und mehr auf die Theo-

rie verlegen. Wer könnte es ihm verdenken? Hallo, Krüppelchen,

wie geht’s? Wünsche trotz allem „Belle partie“. Anmeldungen bei

O.M. nicht vor Weihnachten.

 

Wir weisen darauf hin, dass ab sofort bei allen Wettbewerben, die  unter der Leitung von O.M. ausgetragen werden, die Kugeln der

gewinnenden Mannschaften auf ihre eingestanzten Gewichtsangaben überprüft, also gewogen werden. Bei Abweichungen von mehr als 5% erfolgt Disqualifikation und Aberkennung der Siege und  aller Geld- und Sachpreise. (Was der Formel 1 mit ihren Rennwagen recht ist, kann uns mit unseren Boliden nur billig sein.)

 

A propos Kugeln. Der O.M.-Spielkamerad Werner K. fragt an,  wie stark ein Christbaum beschaffen sein muß, damit man ihn im Vereinsheim mit Boule-Kugeln behängen kann, ohne dass  ein Fiasko befürchtet werden muß. Antworten von einschlägig erfahrenen Spielern werden an K. weitergeleitet.

 

***

 

Ehe der parcours d’honneur weihnachtlich geschmückt wird und das alte verdiente Jahr ins Endspiel geht, möchte ich noch für eine Idee werben, die einigen von euch und uns peut-être das kommende Jahr erst erlebenswert, schmackhaft machen könnte: Ja, was?

 

Brüder und Schwester im Herrn, es ist doch so, daß 90% aller Boulespieler den ganzen Tag Zeit haben und nicht wissen, was sie sonst tun sollten, außer blöde Kugeln in Sand, Staub und Schnee zu werfen, und dabei kommen sie sich auch noch Gott weiß wie toll vor.

 

Lehrer aller Stände, Professoren,  Kriegs-Piloten, Frauenärzte,

Keramiker, und unter diesen vor allem die zahllosen zahnlosen Rentner, wären noch für eine sinnvolle gesellschaftsbezogene Aufgabe zu gebrauchen (und von der Straße weg), wenn sie sich entschließen könnten - ja, WAS zu tun?

 

Nun, es ist möglicherweise nicht bekannt, daß sich jeder Mensch zum PAPST wählen lassen kann (Frauen sind in diesem Job unerwünscht), sofern er nur katholisch und volljährlig ist. Das heißt, er muß nicht Priester, nicht Kardinal, darf aber durchaus ein in die Jahre gekommener Meßdiener sein. Oder Töpfer, oder Friseur oder... Das Problem ist nur: wird die Kardinalskongregation so

einen wahlen? Die wollen doch selbst auf den Stuhl. Also Essig.

 

Andererseits besteht eine gewisse Chance, als Einzelner in die Politik zu gehen, Landtags- oder Bundestags-Abgeordneter zu werden, schwer Kohle zu machen, ein schickes Büro in Berlin zu beziehen und die Sekretärin zu bumsen.

Um einen solchen Antrag stellen zu können, muß man (ebenfalls) nur volljährig sein, darf keine allzu gräßlichen Verbrechen begangen haben und muß 200 Stimmen von Leuten, die einen wählen wollen, vorweisen können.

Dann gründet man eine eigene Partei, so wie der Schill, der es sogar geschafft hat, aus seiner eigenen rauszufliegen, oder man schließt sich einer bestehenden Partei an, sofern diese das mitmacht. Im Augenblick geht das, glaube ich, mit der PDS.

 

Warum ich das erzähle? Nun, so mancher wird nun zum kommenden Jahreswechsel, wenn er kritisch Inventur mit seinem eigenen Gewissen macht und das vergangene Jahr Revue passieren läßt, sich die Frage vorlegen: Was habe ich verbrochen (da wird nicht viel Schlimmes rauskommen, man ist ja nicht Koch/Hessen), was hätte ich besser machen können und was sollte ich endgültig sein lassen?

 

Ich für meine Person habe mir das für unser vizekönigliches Spiel

Pétanque überlegt und mir vorgenommen, entweder aufzuhören, mich nach Carreaus zu strecken (die für mich ebenso unerreichbar sind wie junge Mädchen, aber bisweilen begehrenswerter) oder das

Aktivsein in diesem Sport  ganz aufzugeben; meine Kugeln zu reziklieren, also zu Sylvester einzuschmelzen (Kugeln zu Pflugscharen), zum Doppelkopfspiel zurückzukehren - oder noch mal etwas Kühnes im Leben zu wagen, nämlich die DEUTSCHE BOULE-Partei zu gründen und die darbenden Interessen einer gewaltigen Minderheit in diesem Land zu vertreten; so wäre ich pétanqueweise doch noch für etwas gut und bekäme in Berlin oder Mainz ein Büro und eine Sekretärin und so...

 

Natürlich lasse ich diesbezüglich aber auch jedem anderen Bewerber den Vortritt, der auch keine Carreaus werfen kann und bereit ist, mit Feuereifer in der großen Politik unsere Sache zu vertreten.

 

Denkt mal zwischen Gänsebraten und Wein, Nachmittagskaffee mit Likör und Abendessen mit Herings-Ochsenmaulsalat und Bier darüber nach.

Anregungen werden von OM dankend auf ihren staatsbürgerlichen Gehalt hin geprüft.

 

Bevor ich Euch nun ungeschützt in den verdienten Weihnachtsirrsinn entlasse, zum Trost noch die diesjährige Weihnachtsgeschichte, die ich ungefähr so von einem großen deutschen Erzähler gehört habe:

 

Es gingen einmal zwei Nashörner des Nachts durch die dunkle Wüste und unter einem wunderbaren Sternenhimmel dahin. Plötzlich zeigte sich ein besonders prächtiger Stern mit einem feurigen Schweif und wies in Richtung Bethlehem. Das sahen auch die beiden Nashörner, und da sagte das ältere der beiden zu dem jüngeren: „Du, Reinhold, komm mit, ich zeig’ dir mal was.“

Also folgten sie dem Stern und kamen folgerichtig an die einsam dastehende Scheune, in der das Jesuskind mit seinen Eltern, Maria und Josef Weihnachten feierten. Das ältere Nashorn klopfte an die Tür, und als Josef „herein“ rief, traten die beiden ein und sagten „Guten Abend allerseits“. Die heilige Familie blickte arg erstaunt, und Josef fragte: „Ja, was wollt IHR denn hier?“

Darauf antwortete wieder das ältere von den beiden Nashörnern:

„Wir sind die heiligen Drei Könige und wir sollen die Geschenke abholen.“

Hier bricht die Geschichte ab, und ob und wie sie im allgemeinen Handgemenge weiterging, ist nicht bekannt. Mache sich jeder seinen Vers darauf.

Wir jedenfalls sind als Kinder auf dem Dorf ebenfalls als heilige

drei Könige (wir waren aber auch wirklich drei) von Haus zu Haus

gezogen und haben mit folgenden Worten um milde Gaben nachgesucht:

 

„Prost Neijahr, freudenreich -

gebbtmer’s gleich,

brauch’ ich nit so lang zu waade!“

 

Das war rauh, aber herzlich, und deshalb bekamen wir auch

weder Gold, noch Myrrhe, noch Weihrauch, sondern was zum

Schnuckele und vielleicht fuffzisch Penning. Das war nicht

üppig, aber immer noch besser als in die Hos’ gemacht.

 

Für dieses Jahr soll’s nun genug sein mit den OM-Bulletin-Mit-teilungen. 2004 ist auch noch ein Jahr. Kommt gut rein (sagte das Mädchen zum...) und pflegt mal Eure Frauen und Eure Boule-Kugeln ein bißchen! Bonne chance. Belle partie A tout à l’heure.

 

ROHE WEIHNACHTEN ALLESAMT

UND FRÖHLICHEN RUTSCH.

 KOMMT GUT REIN!

(IN WAS IMMER ES AUCH SEI)

 

 

Euer OM-Fred.

 

 

 

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OM-BULLETIN   1 / 2004

 

 

 

Editorial

 

Hallo, liebe Boule-Genossen jeglichen Geschlechts, hier sind wir wieder: Fanny I. und Alfi!

 

Falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: wir leben schon seit etwa drei Monden im Jahr des Herrn 2004 und des Fortschritts, welch letzterer daran zu erken-nen ist, daß keiner mehr Kohle hat (ausgenommen die, welche noch nie welche nicht hatten und ewig welche haben werden), dafür aber konsequent alles teurer wird. Sogar Privatdetektive lassen sich vom Taxifahrer neuerdings das Wechselgeld rausgeben, sagen auch nicht mehr trinkgeldgiebig „stimmt so, schönes Kind, kauf dir einen Cadillac“ zur drallen Kellnerin und schießen inzwischen sogar mit geliehenen Patronen. Zuhälter steigen von V8-Ami-schlitten auf japanische Kleinwagen mit drei Zylindern um, nennen nur noch einen Pudel statt zweien ihr eigen, tragen mittlerweile die Rolex-Daymaster als Imitat am Handgelenk und fusionieren aus lauter Not schon mit den Loddels von der schmutzigen Konkurrenz, und die Mädels häkeln Deckchen statt Umsatz zu machen, weil die Freier sich nur noch einmal im Monat eine Nummer vom Mund absparen - und die leisten sie womöglich dann noch bei der Mutti zu Hause ab.

 

Mit dem Mangel an Barem verrohen die guten Sitten, und so werde ich wohl oder übel meine Pétanque-Kugeln, die gut eine Neubereifung gebrauchen könnten, schonungslos weiterspielen müssen, bis die Karkasse durchkommt. Der Himmel helfe uns!

 

Dabei ist die schlechte Zeit eine ganz aussichtsreiche für unseren Sport! Überlegt doch mal: Was braucht man bei uns aus Ausrüstung? Drei Kugeln und ein Schweinchen, Begüterte haben vielleicht noch eine Tirette und ein Zählwerk und Hüftsteife einen Hebemagnet. Schluß. Ganz Verwöhnte mögen  in guten Tagen eine SIGAR (Sinnreiche InterGalaktische AbschußRampe) von mir erworben haben und sind jetzt fein raus. Aber sonst? Keine teuren Trainingsklamotten, keine Spezialschuhe, Mützen, Schläger, Räder, Groupies,

Manager, Trainer, Pressesprecher etc., und wer sich den bescheidenen Mit-gliedsbeitrag im Verein nicht leisten kann und den dort bisweilen wirkenden  humorlosen weil fanatischen Pétanque-Ajatollahs abhold ist, tritt franko und gratis fröhlichen Spielgemeinschaften bei. Lust und Laune sollte man nämlich ebenfalls mitbringen, und die kosten keinen müden Euro.

Stellt Euch mal vor, Ihr hättet statt dreier Kugeln im Koffer drei Rennpferde im Stall, eine Hochsee-Jacht im Mittelmeer liegen, einen persönlichen Caddy in einem noblen Golfclub wohnen oder einen privaten Formel I-Boliden bei Ferrari stehen - da wärt Ihr in diesen dürren Zeiten ganz schön angeschmiert, was? Aber so...

Und weil dem so ist und Pétanque für Minderbemittelte immer attraktiver werden dürfte, können wir uns ausrechnen, wann das gigantische Heer der Arbeitslosen, invaliden Frührentner und gesunden Spätpensionäre (aus denen in absehbarer Zeit 95% des gesamten Volks bestehen wird) unseren Sport für sich entdeckt und zum größten Massensport (immer noch nach dem Fußball) befördert. Vorteil gegenüber Fußball: Man betätigt sich körperlich selbst, braucht nicht Premiere zu glotzen, keine Stadion-Dauerkarte zu löhnen, und das billige Lidl-Bier  (6 Flaschen à 0,5 l kosten 1,78 Euro, so wahr mir Gott helfe) schmeckt auch auf dem Bouleplatz vorzüglich.

 

Aber keine Bange, so weit wird es nicht kommen. Das herrliche, verflixte Boule wird hierzulande vermutlich auf ewig das von der Masse nur schwer nachvollziehbare Vergnügen einer winzigen verschworenen Elite von Kleinverdienern bleiben, und diesen Spaß werden wir uns sogar dann noch leisten können, wenn der Küchenschrank bereits verscherbelt ist und der Kuckuck schon auf dem alten Fahrrad klebt, mit dem wir zum Bouleplatz radeln, derweil wir in Gedanken unserem guten, alten Opel Manta gedenken, den wir noch für 100 Euro losschlagen konnten.

So wird’s kommen, Freunde, denkt an mich! Aber nicht verzagen! Wie sagt man in meiner bescheuerten Vaterstadt:

Vun ääm äänzische Schutzmann lasse mir uns nit umzingele!“

Oder wie mein seliger Franzose-Opa Jean-Baptiste, genannt Schambes, mir mal ans Herz gelegt hat:

„Bub, drei Sache brauchste, um gewappnet zu soi fer schlechte Zeite: En alte Ofe fer Holz un Kohle, daß d’es warm hast im Winter, e Fraa, damit de was zu beiße hast und doi Boule-Kugele, daß dir de Spaß am Leewe nit ganz vergeht, dann kann dir nit mehr viel bassier’n - odder du hängst dich uff. In dem Fall hast’es  hinner dir.“

Nun, so weit sind wir noch lange nicht, und außerdem ist wieder Frühling, die täppischen Burschen sprießen und können die Finger nicht bei sich behalten, und die liebreizenden Mädchen schlagen aus und tragen Blüten im Haar.

 

***

 

Nach diesem versöhnlichen Stimmungsbild nun zu etwas gänzlich anderem:

 

Ich hatte Euch vor geraumer Zeit ein Interview mit Sanitätsrat Dr. Rübel angekündigt.

 

Hier ist es:

 

OM:             Herr Dr. Rübel, welche außergewöhnlichen Belastungen

                    bringt das Boule-Spiel für die Knie des Spielers mit sich?

 

Dr.R.:           Wieso? Betreibt man dieses Spiel mit den Knien? Ist das

                    etwa ein Tanz?

 

OM:             Nein, Boule ist ein Kugelsport. Man wirft dabei Stahlkugeln  

                    schwungvoll von sich weg, und das könnte doch die Knie be-

                    lasten.

 

Dr.R.:           Hm. Wird im Sitzen oder im Stehen gespielt?

 

OM:             Die meisten spielen es im Stehen. Es ist doch vorstellbar, daß

                    die Muskeln, die Bänder, die Sehnen, die Gelenke, die

                    Gelenkpfannen etc. mehr beansprucht werden, als gut für sie ist.

 

Dr.R.           Wohl auch Mediziner, oder wie? Diagnose selbst stellen, was,

                    Herr Kollege? Sehen Sie sich vor! Nun ja, ein gewisser Ver-

                    schleiß könnte eintreten, aber der tritt auch ohne Ihr komisches

                    Spiel ein. Beim Tanzen ist es allerdings am Schlimmsten, in-

                    folge des Kontakts mit dem Knie der Tanzpartnerin, wenn es

                    sich um ein weibliches Wesen handelt und spitz ist, das Knie.

                    Haben die Spieler körperlichen Kontakt mit einander während

                    einer Kugelpartie?

 

OM:             Normalerweise nicht.

 

Dr.R.           Dann machen Sie sich keine Sorgen. Alles Übel der Welt kommt

                    von den Körperkontakten, glauben Sie mir. Aber an irgendwas

                    muß der Mensch ja sterben!

 

OM:             Wir denken auch weniger an die Belastung der Knie beim Wer-

                    fen der Kugel, als beim Aufheben derselben vom Boden. Dazu

                    muß man etwas in die Hocke gehen, und das fällt nicht jedem

                    Menschen leicht, besonders wenn der oder das Mensch schwer

                    ist. Wozu raten Sie in solchen Fällen?

 

Dr.R.           Sich eine andere Sportart zu suchen, bei der die Knie nicht so

                    maltraitiert werden. Halma. Mikado ist auch schön. Aber keines-

                    falls Tanzen!

 

OM:             Einige von uns umgehen das Bücken damit, daß sie mittels eines

                    Magneten an einer Schnur die Kugeln zu sich heraufhieven.

 

Dr.R.           Na also, es geht doch, man muß sich nur zu helfen wissen.

                    Schön, daß man den medizinisch segensreichen Magnetismus

                    hier wieder zu Ehren kommt. Aber heben Sie nie Ihre runterge-

                    fallene Armbanduhr so auf; es könnte sein, daß dann ihre letzte

                    Stunde geschlagen hat - also die der Uhr.  Alle Zweifel beseitigt?

 

OM:             Bleibt noch die Frage nach dem kreisrunden Haarausfall, die auf-

                    fällig viele Boule-Spieler befällt.

 

Dr.R.           Hm.

 

OM:             Der kann ja kaum auf überlastete Knie zurückzuführen sein.

 

Dr.R.           Sie meinen, wenn oben am Haarschopf so allmählich das Knie

                    durchkommt, haha! Nee, nee, alter Freund, was wäre zu einfach!

 

OM:             Wir hatten auch schon an Metall-Allergien als Ursache dafür

                    gedacht; die Kugeln sind immerhin aus verschiedenen Sorten

                    Stahl gegossen.

 

Dr.R.:           Dann hätten Sie die Allergie an den Händen und nicht am Hin-

                    terkopf, oder werfen Sie die Kugeln bevorzugt dem Mitspieler

                    gegen die Hypophyse?

 

OM:             Schon gut, Herr Sanitätsrat, wir haben verstanden. Vielen Dank

                    für Ihre profunden medizinischen Auskünfte.

 

Dr.R.           Ich weiß es halt auch nicht so genau. Aber eins weiß ich mit Si-

                    cherheit: das nächste Mal kostet es Geld, mir saudumme Fragen

                    zu stellen. Belle Partie!

 

OM:             Ganz wie Sie meinen, Doc.

 

***

Bis hierher und nicht weiter! Das nächste OM-Bulletin kommt bestimmt.

 

 

 

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OM-BULLETIN   2 / 2004

 

 

Hallo, Anhänger, Verehrer und des amis von OM!

 

Als erstes meine tief empfundenen Glückwünsche an unseren

Bruderverein aus der fußgetretenen Balldisziplin,

 

OLYMPIQUE MARSEILLE

 

fürs Erreichen des UEFA-Cup-Endspiels in Göteborg! Ein Sieg wäre möglich gewesen, die Jungs haben gut mitgehalten, waren streckenweise besser, aber es sollte nicht sein, und so ist unser prominentes Ehrenmitglied im nächsten Jahr international nicht vertreten. Quelle domage!

 

Wieder wurde meine Leidensfähigkeit härtestens auf die Probe gestellt, und dabei stehen die Liga-Schicksale von Frankfurt, Lautern und Mainz noch aus. Übermorgen ist es so weit, und auf dem Rhein werden wohl die Gondeln Trauer tragen.

 

Wieso sich hier so mancher speziell gegen Eintracht Frankfurt ausläßt, ist mir nicht ganz einsichtig. Gibt oder gab es in der öden BRD jemals einen Fußballverein, der in jeder denkbaren Hinsicht für mehr Furore sorgte und sorgt als die alte launische Diva und ihre mal weltklassemäßig, ja brasilianisch und dann wieder dorfklassig aufspielenden Freier.

 

Was macht eigentlich Gaudino? Handelt der immer noch   zwielichtig mit Nobelkarossen?

Gibt es den Fanclub „Die Zeugen Yeboahs“ noch?

Was ist aus dem begnadeten Uwe Bein geworden?

Und wie fühlt sich zur Zeit der „treue Charly“ Körbel?

Von den Ikonen, den gerühmten von früher wollen wir gar nicht reden, sonst ist des  Lobens und Preisens kein Ende mehr!

 

Und dann dieser faszinierende Vorstand, nein, die Vorstände! Was hatte man da alles an Pfeifen zu feindotierten Jobs verholfen. Für jede kleine Aufgabe wurde ein eigener Direktor eingestellt. Zuletzt hatte man sogar einen „Pressedirektor“, um den Journalisten nach jeder Niederlage die Gründe dafür in den Block zu diktieren. Herrlich!

Man denke nur an den Verlust der Meisterschaft damals (Stuttgart wurde es) im Spiel gegen einen bereits abgestiegenen Gegner! Andererseits dann vor zwei (?) Jahren der abenteuerliche Verbleib in der ersten Liga nach dem Spiel gegen Kaiserslautern. Eine Achterbahn in vollem Karacho ist nichts gegen diese hessische Ballspieltruppe.

Voller Ehrfurcht gedenkt man natürlich auch bestimmter Trainer, die mitunter so schnell rotierten, daß man sich nicht mehr aufs Klo zu gehen traute, weil womöglich wenn man raus kam schon wieder ein neuer Spielleiter werktätig war. („Awwer Lebbe geht wieder“, nicht wahr, Stepi?)

 

Im Vergleich mit Frankfurts Medien- und Publikumswirksam-keits-Champion sind so biersolide Wurstdirektoren-Vereine wie Bayern München oder so graue wie VW-Wolfsburg, Leverkusen etc. und der ganze Rest diesbezüglich nicht mal kreisliga- tauglich.

Gibt es irgendeinen Fußballverein weltweit, dem Dichter und Denker so sehr ihre Reverenz erwiesen haben, wie diesen mal wie Adler kreisen- und zustoßenden Heroen, und dann wieder wie Frankfurter Würstchen rumschwabbelnden Clowns?

Und ist Eckhard Henscheids lange verklungene Hymne auf Kun  Bum Cha, den älteren (begnadeten), nicht eines der herrlichsten Zeugnisse deutscher Odendichtkunst? (Was soll des soi? Kenne mer net! Gell?)

Denkt mal daran, wieviel strahlendes Kolorit derart tödlich vitale Hartfüßler in eine Liga bringen und damit dieses ganze trübe Jahrhundert erhellen, ehe Ihr wieder phantasielos und ängstlich harmoniesüchtig, spießergleich und exotenfeindlich rumlabert.

 

Fan eines ewig zum Kotzen erfolgreichen Vereins mit starmäßig dumpfbackigen Balltretern zu sein, ist wenig riskant und zum Gähnen trist, aber sich als Aficionado zur Eintracht und ihren Arenenkämpfen zu bekennen, das erfordert den ganzen Mann und all seine Todesverachtung.

Es lebe der Frankfurter Adler!  Es lebe die Eintracht trotz aller Zwietracht! Es lebe die launische, aber auch hocherotische Rei-mann-Diva! Viva la Anarchia! Viva la muerte!

 

So viel zu Olympique Marseille. Nos félicitations, copains - quand meme!  

 

 

P.S. am 23.4. :

Also gut, die Eintracht abgestiegen in die 2. Liga. Vorübergehend natürlich nur, was denn sonst?

Vor Angst, künftig das Weiße im Auge dieses hessischen Gegners sehen zu müssen, hat sich die Mainzer O5 in die Erste Liga gerettet. Wesentlich geholfen hat ihr dabei ein Frankfurter Bub - ohne die Frankfurter geht halt nirgendwo was.

Doch auch Euch Glück und Geld, Ruhm und Ehre, liewe Meenzer!

Und daß Ihr jetzt all die Weiber krischt, die Ihr immer gehabbt hawwe wolle! Gewinne macht sexy.

 

Ihr Meenzer habt in der kommenden Spielzeit zwei Möglich-keiten: Entweder Ihr landet in dieser erlauchten Runde sofort auf dem letzten Platz und seid anschließend wieder draußen - oder?

Ja, oder Ihr setzt Euch überfallartig an die Spitze des Unternehmens und werdet Deutscher Meister. Was heißt hier: Geht nit? Hat Lautern auch schon mal geschafft.

(Hallo, Lautern, auch Euch meinen allerherzlichsten Wunsch zu eurem Verbleibungsglück! Zwei Lieblingsvereine in Liga Eins - und beide abgestiegen, das hätte ich nicht ausgehalten).

Im Gegensatz zu den roten Teufeln damals habt Ihr Mainzer zwar nicht die Klasse für Ganz Oben, doch ist die Gelegenheit günstig: Die große Zeit von Bayern München ist passé, Bremen war für sich selbst ein Glücksfall, der so rasch nicht wieder eintritt. Stuttgart kaut daran, daß man den dritten Platz Leverkusen überlassen mußte und wird fortan von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt sein, und die anderen spielen routiniert ihren uninspirierten Stiefel weiter runter wie bisher. Also macht was draus, Ihr Handkäs-Athlete! ÜBERFALLARTIG habe ich gesagt, in einer Art AMOKLAUF wie elf Geisteskranke! Damit rechnet doch keiner, und wenn Ihr dann nächstes Jahr um diese Zeit Deutscher Meister wäret, könntet Ihr noch ein weiteres Jahr dort oben mitspielen, ehe es Euch wieder hinab in den Waggon zweiter Klasse verschlägt.

Hätte das Volk den Bundespräsidenten wählen dürfen, würde es statt dieses anonymen grinsenden Wirtschaftspinsels heute mit Sicherheit für Jürgen Klopp gestimmt haben; zumindest hier in Mainz wären ihm alle Stimmen sicher gewesen. Statt dessen... Tja, wann wird hierzulande schon mal das Volk gefragt, wenn’s um was geht?

                                              .-.-.-.

 

Spielkamerad Michael Wierick hat ein hinreißend dynamisches Werbeplakat für meine SIGAR (Sinnreiche Intergalaktische Abwurf-Rampe) geschaffen, auf dem eine SIGAR gleich einem Bumerang durch den Äther zu schweben scheint und die Welt dahinter nur noch eine kleine Kugel ist. Phantastisch! Wenn auch ein wenig zu euphemistisch. Aber die Wolken sind halt einfach Spitze. Doch seht selbst.

Leider wissen interglobal noch immer nicht alle Pétanquisten, was es mit SIGAR auf sich hat. Deshalb will ich gerne der Anregung von Michael folgen und nächstens eine kleine Entstehungsgeschichte dieser Kreismarkier- und Wurfakzelerations-hilfe liefern. Liefern kann im Moment allerdings nicht die Firma Rossignol, welche die Produktion der SIGAR-Module übernommen hat, gegenwärtig aber die erforderlichen Spezi-alhölzer für die Schichtenverleimung nicht geliefert bekommt.

 

Diese künftig aus Esche, Eibe, Eiche und Espe mit einer Lage Speierling (ja, der Eintracht-Fan als Äppelwoitrinker kennt natürlich die Früchte dieses wunderbaren Gehölzes, besonders wenn er wegen zuviel von dem Stöffche oder einem Eintracht-Spiel speien muß) zusammengefügten Prachtstücke sind unverwüstlich, ganz im Gegensatz zu den bisher fabrizierten übersensiblen SIGAR-Exemplaren, von denen so gut wie keines mehr existiert, weil sie fast alle unter der Aufprallwucht äußerst schlampig gezielter Carreaus zerborsten sind. Eine ebenfalls nicht geringere Anzahl fiel Souvenir-Jägern zum Opfer, ging verloren oder wurde von verbitterten, besiegten Gegnern darob im Boden verscharrt. Wenigstens wurde keines der guten Stücke  von den Motten gefressen.

 

So bald der Nachschub in trockenen Tüchern ist (wer hat sich bloß diese dümmliche Floskel ausgedacht?), melde ich mich in nämlicher Sache an hiesiger Stelle wieder. Nein, eine SIGAR hat keine Ähnlichkeit mit einem Bumerang. Gar keine! Ist das klar?

 

So viel aus schon nicht mehr aktuellem Anlaß für heute. Nächstens mehr - auch unter der neu eingerichteten Bullietin-Spalte „Kurz und uninteressant“.  Danke.

                                                     .-.-.-.

 

Also zurück zu den Murmeln, die die Welt bedeuten. Was wird so gesprochen auf dem Boule-Platz? Das habe ich mich gefragt und natürlich gleich die Antwort gewußt, denn was die Joueurs und Joueuses während einer Partie da so rausbrüllen, lamentie-ren, hauchen oder in sich hineinknurren, ist verbaler Ausdruck permanent sich abspielender Dramen teils komischer, teils gera-dezu tragischer Natur. Ich brauche nicht zu erwähnen, daß die-ses Vokabular zwar eindrucksvoll, aber nicht umfangreich ist.

Das wird auch in Frankreich nicht anders sein, dennoch habe ich deren spezielle Ausdrücke bis heute noch nicht drauf, und irgendein Franzose, der hier bei uns dem Pétanque nachgeht, sollte uns mal damit vertraut machen, damit wir an der Riviera                                          

wenn schon nicht spielerisch glänzen, so doch fachgerecht fran-zösisch schimpfen und fluchen können. Besonders damit, was man in keiner deutschen Sprachenschule an Fremdsprachlichem lernt, kann man sich im Ausland Achtung, Anerkennung und Respekt verschaffen. Ein „Merde“ sagt mehr als tausend Worte.

 

Deutsch für Boule-Spieler:

 

Situation:

 

Zu Beginn einer Partie

alle zusammen rufen:                                    Schönes Spiel!

 

Wenn das Spiel nicht beginnen kann,

weil das Cochonet fehlt:                                Hat jemand e Sau?

 

 

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OM-BULLETIN  3 / 2004

 

Hallo, Fans,

 

nach langem sinnlosen Schweigen mal wieder ein paar kesse Töne von Olympique Mayence. Karnevalverein Mayence 05 ist auf dem besten Weg zum Titel, und das ist so ungefähr das einzig Positivste, was sich z.Zt. über die Republik sagen läßt. Immerhin. Meine Boule-Kugeln habe ich schon so lange nicht mehr fliegen lassen, daß sie bereits Grünspan ansetzen; die sind nämlich aus einer Kupfer-Platin-Gold-Legierung, müßt Ihr wissen,  und bilden meinen ganzen Reichtum für den Fall, das der Euro auch den Berg hinuntergeht bzw. der Staat sogar den Nackten noch in die Tasche greift..

 

Habt Ihr übrigens Eure Weihnachtsgeschenke schon? Nein? Dann wird’s aber Zeit. Ich darf Euch nun zur Einstimmung in das jährlich wiederkehrende, beseligende  Horrorfest eine kleine herzwärmende Herbstbegebenheit erzählen, um Euch die Warte-zeit bis Weihnachten zu verkürzen, und denkt dran: Nur noch (je nachdem wo Ihr zu Hause seid) etwa 45 mal Schlafen, dann ist es wieder so weit. Und nun hört meinen Bericht:

 

 

Die Eskalation der Besinnlichkeit

 

Montag, 11. Oktober:

 

Schönster Altweibersommer. Noch einmal Menschen in T-Shirts und Sandalen in den Straßencafés und Biergärten. Bisher keine besonderen Vorkommnisse in den Geschäftsstraßen der Stadt.

 

Dann, plötzlich, 10.47 Uhr kommt der Befehl des Plus Geschäftsführers Erich B. „Fünf Paletten Lebkuchen und Spekulatius in den Empfangsbereich. Aber dalli!“

 

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst reagiert Minimal-Filialleiter Martin O. eher halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse.

 

15.07 Uhr: Edeka-Marktmanager Wilhelm T. hat die Mittagspause genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage.

 

16.02 Uhr: Die Filialen von Penny und Tengelmann bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachts-Stillhalteabkommen bis zum 20. Oktober. Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.

 

Dienstag, 12. Oktober:

 

07.30 Uhr: Im Eingangsbereich von Karstadt bezieht überraschend ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während zwei Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbeihastende Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören. Zeitgleich erstrahlt die Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260.000 Elektrokerzen und ein defektes Neontransparent wünscht „_ROHE WEIHNACHTEN!“

Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zuschauen. Immerhin haben jetzt auch Kaufhof, Aldi und Norma den Ernst der Lage erkannt.

 

Mittwoch, 13. Oktober:

 

09.00 Uhr: Edeka setzt Krippenfiguren ins Gemüse.

 

09.20 Uhr: Minimal kontert mit massivem Einsatz von Rauschgold-Engeln im Tiefkühlregal.

 

10.05 Uhr: Bei Walmart verirren sich Dutzende von Kunden in einem Wald von Christbäumen.

 

12.00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei Real: An der Käsetheke wird mit sofortiger Wirkung ein „Frohes Fest“ gewünscht.

Die Schlemmerabteilung von Horten kündigt für den Nachmittag Vergeltungsmaßnahmen an.

 

Donnerstag, 14. Oktober:

 

07.00 Uhr: Karstadt schaufelt Kunstschnee in die Schaufenster.

 

08.00 Uhr: In einer eilig einberufenen Krisensitzung fordert der aufgebrachte Penny-Geschäftsführer Walter T. von seinen Mitarbeitern lautstark: „Weihnachten bis zum Äußersten“ und verfügt den pausenlosen Einsatz der konkurrenzseitig gefürchteten CD: „Weihnachten mit Mireille Matthieu“ über Deckenlautsprecher. Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.

 

Freitag, 15. Oktober

 

08.00 Uhr: Anwohner der Ludwigstraße versuchen, mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung die nun von Karstadt angedrohte Musikoffensive „Heiligabend mit den Flippers“ zu stoppen.

 

09.14 Uhr: Ein Lidl-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen rammt den Posaunenchor „Adveniat“, der gerade vor dem Kaufhof zum großen Weihnachtsoratorium ansetzt.

 

09.30 Uhr: Lidl dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern um Christbaumkugeln gehandelt.

 

18.00 Uhr: In der Stadt kommt es kurzfristig zu ersten Engpässen in der Stromversorgung, als der von Tengelmann beauftragte Rentner Erwin Z. mit seinem Flak-Scheinwerfer Marke „Varta Volkssturm“ den Stern von Bethlehem an den Himmel zeichnet.

 

Samstag, 16. Oktober

 

Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend agressiver. Über das Personal wird präventiv absolute Urlaubssperre verhängt.

 

10.37 Uhr: Auf einem Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Norma-Parkplatz zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos.

 

12.00 Uhr: Seit gut einer halben Stunde beschießen Karstadt, Kaufhof und Spar die Einkaufszone mit Schneekanonen. Das Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst.

 

14.30 Uhr: Teile der Innenstadt sind unpassierbar. Eine Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der Bergung von Eingeschlossenen - Menschen wie Du und ich, die nur einmal noch in der schönen Herbstsonne bummeln wollten.

 

 

***

 

Melde mich bald wieder, hoffe ich, und dann reden wir, wegen des passenden Flairs bitte bei einer schönen Flasche Bordeaux, über unseren geliebten Boule-Sport. Bis dann, Euer Fred.

 

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