|
|
Fanny
I. |
Die Eskalation der Besinnlichkeit bisher erschienene OM-Bulletins |
S I G A R
Die Sinnreiche InterGalaktische AbwurfRampe von F.P. von wem sonst? |
|
Hallo
Fans, Fred Probst nimmt in
Personalunion vom OM-Präsidenten bis hinunter
zum Zeugwart sämtliche Ämter und Aufgaben wahr. Darüber
hinaus figuriert er als einziges aktives Mitglied seiner Equipe. Olympique Mayence
ist vermutlich die kleinste, wenn nicht gar feinste Petanque-Spielvereinigung
diesseits des 50. Breitengrades Probst-Mainz@t-online.de |
OM-BULLETIN
9 / 2003
Die Weihnachtsfeier von OM findet dieses Jahr in den Räumen des Tuffli-Kiosks, Mainz, Parcusstraße,
statt. Ein Barhocker wurde bereits reserviert. Von Geschenken im Wert unter
20 Euro bitten wir abzusehen. * F.P. ist, wie Kenner der Petanque-Szene
wissen, auch der Erfinder der Sinnreichen InterGalaktischen
AbwurfRampe (SIGAR), die von Neidern gern als „semi-partialer,
ultikolorierter Holzkleiderbügel“ diffamiert wird.
Mit seinen Exportziffern gibt F.P. allerdings allen Leumundschändern darauf
die rechte Antwort! (Erst neulich ging wieder ein Exemplar an eine boulende Rentnerrunde in Ober-Hilbersheim, die seitdem
schöne Spielerfolge verzeichnet. * Wie oft sollen wir es noch sagen: Bei Olympique
Mayence herrscht totale Mitgliedersperre! In raren
Ausnahmefällen und gegen Bares können indes Ehrenmitgliedschaften erworben
sowie Doktorhüte (Dr. c.h. - cochonnet
d‘ honnaire) verliehen werden. Des Ansturms wegen
bitten wir um Geduld bei der Antragsbearbeitung. * Der auf dem Bouleplatz vernommene Stoßseufzer des Monats: „Liewe Zeit, was issen
des bloß fer en Sport! Do stellt mer sich hie un schmeißt e Eisekuuchel
in de Dreck, dann dappt mer
hie, hebt die Kuuchel uff un
schmeißt se widder in de Dreck. Dadebei kannste doch grad verrickt
wer’n!“ * Das letzte Gerücht Der alternative Petanque-Verband trägt sich
mit der Absicht, für Linkshänder eigene Spielregeln einzuführen und separate Turniere
auszurichten. Damit soll u.a. verhindert werden,
dass linke Schlaumeier links um einen dicken Baum herum nach der Sau werfen,
während die Kugeln braver Rechtshänder sämtlich am Baum zerschellen. Ferner
sollen Linkshänder nur noch an den ungeraden Tagen der ungeraden Monate Boule
spielen dürfen. Bravo! Endlich mal ein vernünftiger Gedanke von
Verbandsseite! * Mottowechsel Der Wahlspruch unter dem Signet von OM lautet, wegen beklagter
Unverständlichkeit seitens der lateinmuffeligen misera
plebs nicht länger „Veni,
vidi, vici“, sondern
nunmehr: „Wehret den Anfängern!“ (Näheres dazu im Club-Journal 8/2003, Seite 214). * Die Wutzwurf-Akademie in Mainz (OM!) nimmt nach den Sommerferien
ihren Vorlesungs- und Übungsbetrieb wieder auf. Einschreibmöglichkeiten bis
Sylvester dieses Jahres. Dauer der Ausbildung: sechs Semester.
Ausbildungsziel: Maitre cochonnaire.
Berufsaussichten: hierzulande zur Zeit noch mäßig,
auf EU-Ebene nicht chancenlos. Geduld! * Damit das endlich klar wird: „Wutzenzieher“ ist die Charakterisierung
eines Spielers, aus der Bewunderung spricht; mit dem Ausruf „Du
Wutzenschieber!“ hingegen wird ein Bouleur unnötig kriminalisert (wenn auch mit gewissem Recht). * Problemfall FANNY Angesichts der immer häufiger mit 0-13 endenden Boulepartien und den
sich damit häufenden Fannies plant Olympique Mayence, ähnlich den
Cheerleader-Girls im Ami-Sport, eigene Fanny-Staffeln zu Ligaspielen,
Turnieren und Weltmeisterschaften zu entsenden, um der Knappheit an
einsetzbaren Damen abzuhelfen. Spielgemeinschaften, Klubs und Vereine werden
gebeten, bei OM die einschlägige Gebührenordnung anzufordern. P.S.: Junge Damen, die den Drang in sich spüren, die ehrenvolle Aufgabe
einer Petanque-Fanny wahrzunehmen, werden gebeten,
bei OM um Teilnahme an einem Ausbildungslehrgang nachzusuchen. * Zu OM-Ehrenwutzenwerfern des Jahres 2003
wurden ernannt: Michael („Michi“) Wierick,
Christoph („Dick“) Kissel und Fanny Lämmle-Live sowie die „Wort zum Sonntag“-Pfarrerin Oda-Gebbine Hölze-Stöcklein.
Glückwunsch! * Noch nachzutragen ist, dass die Jumelage
zwischen den Freien Mainzern und OM mittlerweile die schönsten Früchte trägt.
So ist OM immer zu Stelle, mit Personal auszuhelfen, wenn den FM mal die
Spieler ausgehen. Auch Cochonets wurden schon
mehrfach ausgeliehen. Zurückgeben
macht Freude, Freunde! ♣ In der nächsten Ausgabe dieser Nachrichten soll darüber aufgeklärt werden, welche Alkoholika sich am besten bei welchen Außentemperaturen und welchen Wettbewerbsarten zum Konsumieren beim Spiel eignen. Desweiteren: Wir testen Schweinchen unter Turnier-Bedingungen. * Wer passt am wenigsten zu wem? Das OM-Partner-Bouloskop. * Wer findet die gelbe Sau? Die weiträumige Schweinchen-Schnit zeljagd im Gonsenheimer Wald -
mit Finderlohn! * „Wie ich einmal beinahe ein Carreau warf!“ Der abgeschlossene Tatsachenbericht von *** * Bis zum nächsten Carreau! Tschüß! Euer Alfi. |
OM-BULLETIN
12 / 2003
* Welcher Spielertyp ist von Natur aus blöder - der
klassische Tireur oder der notorische Pointeur ?
Was ist mit dem Mischtypus, dem Milieu-Spieler? Gibt es auch den intelligenten
Petanque-Spieler,
und woran erkennt man ihn? Daran, dass er lieber
seine Frau spie- len lässt? * Brauchen wir das Berufsbild eines
Messdieners/einer Messdiene- rin, und wie soll dieses
Geschöpf ausgerüstet sein? Mit einem nor- malen Maßband aus Mutters Nähkorb, mit einer
modernen Mess- spirale aus Metall, mit einer Tirette
für die Feinheiten oder mit ei- nem lasergesteuerten
Messgerät mit Genauigkeit im Nanometer- bereich? 1 nm = 0,000.000.001 m. Das sollte fürs
erste reichen. Eure Meinung?
* Beugt der von älteren Spielerinnen und Spielern
gern benutzte Kugelhebemagnet degenerativen
Knochenerkrankungen wirklich vor oder begünstigt er eher Kniegelenksarthrosen
und den damit einhergehenden kreisförmigen Haarausfall? Ein
heiteres Gespräch mit Sanitätsrat Dr. Roland Rübel
sollte Klarheit bringen. * Dozent Martin Guillaume wird im nächsten Jahr für Petanquisten, die an ihrer Vervollkommnung arbeiten wollen, Theorie-Seminare abhalten. Da Martin körperlich ein Opfer der unbarmherigen Bou- le-Praxis geworden ist, wird er sich mehr und mehr auf die Theo- rie verlegen. Wer könnte es ihm verdenken? Hallo, Krüppelchen, wie geht’s? Wünsche trotz allem „Belle partie“. Anmeldungen bei O.M. nicht vor Weihnachten. Wir weisen darauf hin, dass ab sofort bei allen Wettbewerben, die unter der Leitung von O.M. ausgetragen werden, die Kugeln der gewinnenden Mannschaften auf ihre eingestanzten Gewichtsangaben überprüft, also gewogen werden. Bei Abweichungen von mehr als 5% erfolgt Disqualifikation und Aberkennung der Siege und aller Geld- und Sachpreise. (Was der Formel 1 mit ihren Rennwagen recht ist, kann uns mit unseren Boliden nur billig sein.) A propos Kugeln. Der O.M.-Spielkamerad Werner K. fragt an, wie stark ein Christbaum beschaffen sein muß, damit man ihn im Vereinsheim mit Boule-Kugeln behängen kann, ohne dass ein Fiasko befürchtet werden muß. Antworten von einschlägig erfahrenen Spielern werden an K. weitergeleitet. *** Ehe der parcours
d’honneur weihnachtlich geschmückt wird und das alte verdiente Jahr ins
Endspiel geht, möchte ich noch für eine Idee werben, die einigen von euch und
uns peut-être das kommende Jahr erst erlebenswert,
schmackhaft machen könnte: Ja, was? Brüder und Schwester im Herrn, es ist doch so, daß 90% aller Boulespieler den ganzen Tag Zeit haben und
nicht wissen, was sie sonst tun sollten, außer blöde Kugeln in Sand, Staub
und Schnee zu werfen, und dabei kommen sie sich auch noch Gott weiß wie toll
vor. Lehrer aller Stände, Professoren, Kriegs-Piloten, Frauenärzte, Keramiker, und unter diesen vor allem die
zahllosen zahnlosen Rentner, wären noch für eine sinnvolle
gesellschaftsbezogene Aufgabe zu gebrauchen (und von der Straße weg), wenn
sie sich entschließen könnten - ja, WAS zu tun? Nun, es ist möglicherweise nicht bekannt, daß sich jeder Mensch zum PAPST wählen lassen kann
(Frauen sind in diesem Job unerwünscht), sofern er nur katholisch und volljährlig ist. Das heißt, er muß
nicht Priester, nicht Kardinal, darf aber durchaus ein in die Jahre gekommener
Meßdiener sein. Oder Töpfer, oder Friseur oder...
Das Problem ist nur: wird die Kardinalskongregation so einen wahlen? Die wollen
doch selbst auf den Stuhl. Also Essig. Andererseits besteht eine gewisse Chance, als
Einzelner in die Politik zu gehen, Landtags- oder Bundestags-Abgeordneter zu
werden, schwer Kohle zu machen, ein schickes Büro in Berlin zu beziehen und
die Sekretärin zu bumsen. Um einen solchen Antrag stellen zu können, muß man (ebenfalls) nur volljährig sein, darf keine allzu
gräßlichen Verbrechen begangen haben und muß 200 Stimmen von Leuten, die einen wählen wollen,
vorweisen können. Dann gründet man eine eigene Partei, so wie der
Schill, der es sogar geschafft hat, aus seiner eigenen rauszufliegen, oder
man schließt sich einer bestehenden Partei an, sofern diese das mitmacht. Im
Augenblick geht das, glaube ich, mit der PDS. Warum ich das erzähle? Nun, so mancher wird nun
zum kommenden Jahreswechsel, wenn er kritisch Inventur mit seinem eigenen
Gewissen macht und das vergangene Jahr Revue passieren läßt,
sich die Frage vorlegen: Was habe ich verbrochen (da wird nicht viel
Schlimmes rauskommen, man ist ja nicht Koch/Hessen), was hätte ich besser
machen können und was sollte ich endgültig sein lassen? Ich für meine Person habe mir das für unser
vizekönigliches Spiel Pétanque überlegt und mir
vorgenommen, entweder aufzuhören, mich nach Carreaus
zu strecken (die für mich ebenso unerreichbar sind wie junge Mädchen, aber
bisweilen begehrenswerter) oder das Aktivsein in diesem Sport ganz aufzugeben; meine Kugeln zu reziklieren, also zu Sylvester einzuschmelzen (Kugeln zu
Pflugscharen), zum Doppelkopfspiel zurückzukehren - oder noch mal etwas
Kühnes im Leben zu wagen, nämlich die DEUTSCHE BOULE-Partei
zu gründen und die darbenden Interessen einer gewaltigen Minderheit in diesem
Land zu vertreten; so wäre ich pétanqueweise doch
noch für etwas gut und bekäme in Berlin oder Mainz ein Büro und eine
Sekretärin und so... Natürlich lasse ich diesbezüglich aber auch jedem
anderen Bewerber den Vortritt, der auch keine Carreaus
werfen kann und bereit ist, mit Feuereifer in der großen Politik unsere Sache
zu vertreten. Denkt mal zwischen Gänsebraten und Wein,
Nachmittagskaffee mit Likör und Abendessen mit Herings-Ochsenmaulsalat und
Bier darüber nach. Anregungen werden von OM dankend auf ihren
staatsbürgerlichen Gehalt hin geprüft. Bevor ich Euch nun ungeschützt in den verdienten
Weihnachtsirrsinn entlasse, zum Trost noch die diesjährige
Weihnachtsgeschichte, die ich ungefähr so von einem großen deutschen Erzähler
gehört habe: Es gingen einmal zwei Nashörner des Nachts durch
die dunkle Wüste und unter einem wunderbaren Sternenhimmel dahin. Plötzlich
zeigte sich ein besonders prächtiger Stern mit einem feurigen Schweif und
wies in Richtung Bethlehem. Das sahen auch die beiden Nashörner, und da sagte
das ältere der beiden zu dem jüngeren: „Du, Reinhold, komm mit, ich zeig’ dir
mal was.“ Also folgten sie dem Stern und kamen folgerichtig
an die einsam dastehende Scheune, in der das Jesuskind mit seinen Eltern,
Maria und Josef Weihnachten feierten. Das ältere Nashorn klopfte an die Tür,
und als Josef „herein“ rief, traten die beiden ein und sagten „Guten Abend
allerseits“. Die heilige Familie blickte arg erstaunt, und Josef fragte: „Ja,
was wollt IHR denn hier?“ Darauf antwortete wieder das ältere von den beiden
Nashörnern: „Wir sind die heiligen Drei Könige und wir sollen
die Geschenke abholen.“ Hier bricht die Geschichte ab, und ob und wie sie im
allgemeinen Handgemenge weiterging, ist nicht bekannt. Mache sich jeder
seinen Vers darauf. Wir jedenfalls sind als Kinder auf dem Dorf
ebenfalls als heilige drei Könige (wir waren aber auch wirklich drei)
von Haus zu Haus gezogen und haben mit folgenden Worten um milde
Gaben nachgesucht: „Prost Neijahr,
freudenreich - gebbt’ mer’s
gleich, brauch’ ich nit so lang
zu waade!“ Das war rauh, aber
herzlich, und deshalb bekamen wir auch weder Gold, noch Myrrhe, noch Weihrauch, sondern
was zum Schnuckele und vielleicht fuffzisch Penning. Das war
nicht üppig, aber immer noch besser als in die Hos’ gemacht. Für dieses Jahr soll’s nun genug sein mit den OM-Bulletin-Mit-teilungen. 2004 ist auch noch ein Jahr.
Kommt gut rein (sagte das Mädchen zum...) und pflegt mal Eure Frauen und Eure
Boule-Kugeln ein bißchen! Bonne
chance. Belle partie A tout à l’heure. ROHE WEIHNACHTEN ALLESAMTUND FRÖHLICHEN RUTSCH.KOMMT GUT REIN!(IN WAS IMMER ES AUCH SEI)Euer OM-Fred. |
|
OM-BULLETIN 1 / 2004 EditorialHallo, liebe Boule-Genossen jeglichen
Geschlechts, hier sind wir wieder: Fanny I. und Alfi! Falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: wir leben schon seit etwa drei Monden im Jahr des Herrn 2004 und des Fortschritts, welch letzterer daran zu erken-nen ist, daß keiner mehr Kohle hat (ausgenommen die, welche noch nie welche nicht hatten und ewig welche haben werden), dafür aber konsequent alles teurer wird. Sogar Privatdetektive lassen sich vom Taxifahrer neuerdings das Wechselgeld rausgeben, sagen auch nicht mehr trinkgeldgiebig „stimmt so, schönes Kind, kauf dir einen Cadillac“ zur drallen Kellnerin und schießen inzwischen sogar mit geliehenen Patronen. Zuhälter steigen von V8-Ami-schlitten auf japanische Kleinwagen mit drei Zylindern um, nennen nur noch einen Pudel statt zweien ihr eigen, tragen mittlerweile die Rolex-Daymaster als Imitat am Handgelenk und fusionieren aus lauter Not schon mit den Loddels von der schmutzigen Konkurrenz, und die Mädels häkeln Deckchen statt Umsatz zu machen, weil die Freier sich nur noch einmal im Monat eine Nummer vom Mund absparen - und die leisten sie womöglich dann noch bei der Mutti zu Hause ab. Mit dem Mangel an Barem verrohen die guten Sitten, und so werde ich wohl oder übel meine Pétanque-Kugeln, die gut eine Neubereifung gebrauchen könnten, schonungslos weiterspielen müssen, bis die Karkasse durchkommt. Der Himmel helfe uns! Dabei ist die schlechte Zeit eine ganz aussichtsreiche für unseren Sport! Überlegt doch mal: Was braucht man bei uns aus Ausrüstung? Drei Kugeln und ein Schweinchen, Begüterte haben vielleicht noch eine Tirette und ein Zählwerk und Hüftsteife einen Hebemagnet. Schluß. Ganz Verwöhnte mögen in guten Tagen eine SIGAR (Sinnreiche InterGalaktische AbschußRampe) von mir erworben haben und sind jetzt fein raus. Aber sonst? Keine teuren Trainingsklamotten, keine Spezialschuhe, Mützen, Schläger, Räder, Groupies, Manager, Trainer, Pressesprecher etc., und wer sich den bescheidenen Mit-gliedsbeitrag im Verein nicht leisten kann und den dort bisweilen wirkenden humorlosen weil fanatischen Pétanque-Ajatollahs abhold ist, tritt franko und gratis fröhlichen Spielgemeinschaften bei. Lust und Laune sollte man nämlich ebenfalls mitbringen, und die kosten keinen müden Euro. Stellt Euch mal vor, Ihr hättet
statt dreier Kugeln im Koffer drei Rennpferde im Stall, eine Hochsee-Jacht im
Mittelmeer liegen, einen persönlichen Caddy in
einem noblen Golfclub wohnen oder einen privaten Formel I-Boliden bei Ferrari
stehen - da wärt Ihr in diesen dürren Zeiten ganz schön angeschmiert, was?
Aber so...
Und weil dem so ist und Pétanque für Minderbemittelte immer attraktiver werden
dürfte, können wir uns ausrechnen, wann das gigantische Heer der
Arbeitslosen, invaliden Frührentner und gesunden Spätpensionäre (aus denen in
absehbarer Zeit 95% des gesamten Volks bestehen wird) unseren Sport für sich
entdeckt und zum größten Massensport (immer noch nach dem Fußball) befördert.
Vorteil gegenüber Fußball: Man betätigt sich körperlich selbst, braucht nicht
Premiere zu glotzen, keine Stadion-Dauerkarte zu löhnen, und das billige
Lidl-Bier (6 Flaschen à 0,5 l kosten
1,78 Euro, so wahr mir Gott helfe) schmeckt auch auf dem Bouleplatz
vorzüglich.
Aber keine Bange, so weit wird es nicht kommen. Das herrliche, verflixte Boule wird hierzulande vermutlich auf ewig das von der Masse nur schwer nachvollziehbare Vergnügen einer winzigen verschworenen Elite von Kleinverdienern bleiben, und diesen Spaß werden wir uns sogar dann noch leisten können, wenn der Küchenschrank bereits verscherbelt ist und der Kuckuck schon auf dem alten Fahrrad klebt, mit dem wir zum Bouleplatz radeln, derweil wir in Gedanken unserem guten, alten Opel Manta gedenken, den wir noch für 100 Euro losschlagen konnten. So wird’s kommen, Freunde, denkt an mich! Aber nicht verzagen! Wie sagt man in meiner bescheuerten Vaterstadt: „Vun ääm äänzische Schutzmann lasse mir uns nit umzingele!“ Oder wie mein seliger Franzose-Opa Jean-Baptiste, genannt Schambes, mir mal ans Herz gelegt hat: „Bub, drei Sache brauchste, um gewappnet zu soi fer schlechte Zeite: En alte Ofe fer Holz un Kohle, daß d’es warm hast im Winter, e Fraa, damit de was zu beiße hast und doi Boule-Kugele, daß dir de Spaß am Leewe nit ganz vergeht, dann kann dir nit mehr viel bassier’n - odder du hängst dich uff. In dem Fall hast’es hinner dir.“ Nun, so weit sind wir noch lange nicht, und außerdem ist wieder Frühling, die täppischen Burschen sprießen und können die Finger nicht bei sich behalten, und die liebreizenden Mädchen schlagen aus und tragen Blüten im Haar. *** Nach diesem versöhnlichen Stimmungsbild nun zu etwas gänzlich anderem: Ich hatte Euch vor geraumer Zeit ein Interview mit Sanitätsrat Dr. Rübel angekündigt. Hier ist es: OM: Herr Dr. Rübel, welche außergewöhnlichen Belastungen bringt das Boule-Spiel für die Knie des Spielers mit sich? Dr.R.: Wieso? Betreibt man dieses Spiel mit den Knien? Ist das etwa ein Tanz? OM: Nein, Boule ist ein Kugelsport. Man wirft dabei Stahlkugeln schwungvoll von sich weg, und das könnte doch die Knie be- lasten. Dr.R.: Hm. Wird im Sitzen oder im Stehen gespielt? OM: Die meisten spielen es im Stehen. Es ist doch vorstellbar, daß die Muskeln, die Bänder, die Sehnen, die Gelenke, die Gelenkpfannen etc. mehr beansprucht werden, als gut für sie ist. Dr.R. Wohl auch Mediziner, oder wie? Diagnose selbst stellen, was, Herr Kollege? Sehen Sie sich vor! Nun ja, ein gewisser Ver- schleiß könnte eintreten, aber der tritt auch ohne Ihr komisches Spiel ein. Beim Tanzen ist es allerdings am Schlimmsten, in- folge des Kontakts mit dem Knie der Tanzpartnerin, wenn es sich um ein weibliches Wesen handelt und spitz ist, das Knie. Haben die Spieler körperlichen Kontakt mit einander während einer Kugelpartie? OM: Normalerweise nicht. Dr.R. Dann machen Sie sich keine Sorgen. Alles Übel der Welt kommt von den Körperkontakten, glauben Sie mir. Aber an irgendwas muß der Mensch ja sterben! OM: Wir denken auch weniger an die Belastung der Knie beim Wer- fen der Kugel, als beim Aufheben derselben vom Boden. Dazu muß man etwas in die Hocke gehen, und das fällt nicht jedem Menschen leicht, besonders wenn der oder das Mensch schwer ist. Wozu raten Sie in solchen Fällen? Dr.R. Sich eine andere Sportart zu suchen, bei der die Knie nicht so maltraitiert werden. Halma. Mikado ist auch schön. Aber keines- falls Tanzen! OM: Einige von uns umgehen das Bücken damit, daß sie mittels eines Magneten an einer Schnur die Kugeln zu sich heraufhieven. Dr.R. Na also, es geht doch, man muß sich nur zu helfen wissen. Schön, daß man den medizinisch segensreichen Magnetismus hier wieder zu Ehren kommt. Aber heben Sie nie Ihre runterge- fallene Armbanduhr so auf; es könnte sein, daß dann ihre letzte Stunde geschlagen hat - also die der Uhr. Alle Zweifel beseitigt? OM: Bleibt noch die Frage nach dem kreisrunden Haarausfall, die auf- fällig viele Boule-Spieler befällt. Dr.R. Hm. OM: Der kann ja kaum auf überlastete Knie zurückzuführen sein. Dr.R. Sie meinen, wenn oben am Haarschopf so allmählich das Knie durchkommt, haha! Nee, nee, alter Freund, was wäre zu einfach! OM: Wir hatten auch schon an Metall-Allergien als Ursache dafür gedacht; die Kugeln sind immerhin aus verschiedenen Sorten Stahl gegossen. Dr.R.: Dann hätten Sie die Allergie an den Händen und nicht am Hin- terkopf, oder werfen Sie die Kugeln bevorzugt dem Mitspieler gegen die Hypophyse? OM: Schon gut, Herr Sanitätsrat, wir haben verstanden. Vielen Dank für Ihre profunden medizinischen Auskünfte. Dr.R. Ich weiß es halt auch nicht so genau. Aber eins weiß ich mit Si- cherheit: das nächste Mal kostet es Geld, mir saudumme Fragen zu stellen. Belle Partie! OM: Ganz wie Sie meinen, Doc. *** Bis hierher und nicht weiter! Das nächste OM-Bulletin kommt bestimmt. |
|
Hallo, Anhänger, Verehrer und des amis von OM! Als erstes meine tief empfundenen Glückwünsche an
unseren Bruderverein aus der fußgetretenen
Balldisziplin, OLYMPIQUE MARSEILLE
fürs Erreichen des UEFA-Cup-Endspiels in Göteborg!
Ein Sieg wäre möglich gewesen, die Jungs haben gut mitgehalten, waren streckenweise
besser, aber es sollte nicht sein, und so ist unser prominentes Ehrenmitglied
im nächsten Jahr international nicht vertreten. Quelle domage!
Wieder wurde meine Leidensfähigkeit härtestens auf die Probe gestellt, und dabei stehen die
Liga-Schicksale von Frankfurt, Lautern und Mainz noch aus. Übermorgen ist es
so weit, und auf dem Rhein werden wohl die Gondeln Trauer tragen. Wieso sich hier so mancher speziell gegen
Eintracht Frankfurt ausläßt, ist mir nicht ganz
einsichtig. Gibt oder gab es in der öden BRD jemals einen Fußballverein, der
in jeder denkbaren Hinsicht für mehr Furore sorgte und sorgt als die alte
launische Diva und ihre mal weltklassemäßig, ja
brasilianisch und dann wieder dorfklassig
aufspielenden Freier. Was macht eigentlich Gaudino? Handelt der immer
noch zwielichtig mit Nobelkarossen? Gibt es den Fanclub „Die Zeugen Yeboahs“ noch? Was ist aus dem begnadeten Uwe Bein geworden? Und wie fühlt sich zur Zeit
der „treue Charly“ Körbel? Von den Ikonen, den gerühmten von früher wollen
wir gar nicht reden, sonst ist des
Lobens und Preisens kein Ende mehr! Und dann dieser faszinierende Vorstand, nein, die
Vorstände! Was hatte man da alles an Pfeifen zu feindotierten
Jobs verholfen. Für jede kleine Aufgabe wurde ein eigener Direktor
eingestellt. Zuletzt hatte man sogar einen „Pressedirektor“, um den
Journalisten nach jeder Niederlage die Gründe dafür in den Block zu
diktieren. Herrlich! Man denke nur an den Verlust der Meisterschaft
damals (Stuttgart wurde es) im Spiel gegen einen bereits abgestiegenen
Gegner! Andererseits dann vor zwei (?) Jahren der abenteuerliche Verbleib in
der ersten Liga nach dem Spiel gegen Kaiserslautern. Eine Achterbahn in
vollem Karacho ist nichts gegen diese hessische Ballspieltruppe. Voller Ehrfurcht gedenkt man natürlich auch
bestimmter Trainer, die mitunter so schnell rotierten, daß
man sich nicht mehr aufs Klo zu gehen traute, weil womöglich wenn man raus
kam schon wieder ein neuer Spielleiter werktätig war. („Awwer
Lebbe geht wieder“, nicht wahr, Stepi?) Im Vergleich mit Frankfurts Medien- und Publikumswirksam-keits-Champion sind so biersolide
Wurstdirektoren-Vereine wie Bayern München oder so graue wie VW-Wolfsburg,
Leverkusen etc. und der ganze Rest diesbezüglich nicht mal kreisliga-
tauglich. Gibt es irgendeinen Fußballverein weltweit, dem
Dichter und Denker so sehr ihre Reverenz erwiesen haben, wie diesen mal wie
Adler kreisen- und zustoßenden Heroen, und dann wieder wie Frankfurter Würstchen
rumschwabbelnden Clowns? Und ist Eckhard Henscheids
lange verklungene Hymne auf Kun Bum Cha, den
älteren (begnadeten), nicht eines der herrlichsten Zeugnisse deutscher
Odendichtkunst? (Was soll des soi? Kenne mer net! Gell?) Denkt mal daran, wieviel
strahlendes Kolorit derart tödlich vitale Hartfüßler in eine Liga bringen und
damit dieses ganze trübe Jahrhundert erhellen, ehe Ihr wieder phantasielos
und ängstlich harmoniesüchtig, spießergleich und exotenfeindlich rumlabert. Fan eines ewig zum Kotzen erfolgreichen Vereins
mit starmäßig dumpfbackigen Balltretern zu sein,
ist wenig riskant und zum Gähnen trist, aber sich als Aficionado
zur Eintracht und ihren Arenenkämpfen zu bekennen, das erfordert den ganzen
Mann und all seine Todesverachtung. Es lebe der Frankfurter Adler! Es lebe die Eintracht trotz aller
Zwietracht! Es lebe die launische, aber auch hocherotische Rei-mann-Diva! Viva la Anarchia! Viva la muerte! So viel zu Olympique
Marseille. Nos félicitations, copains - quand meme! P.S. am 23.4. : Also gut, die Eintracht abgestiegen in die 2.
Liga. Vorübergehend natürlich nur, was denn sonst? Vor Angst, künftig das Weiße im Auge dieses
hessischen Gegners sehen zu müssen, hat sich die Mainzer O5 in die Erste Liga
gerettet. Wesentlich geholfen hat ihr dabei ein Frankfurter Bub - ohne die
Frankfurter geht halt nirgendwo was. Doch auch Euch Glück und Geld, Ruhm und Ehre, liewe Meenzer! Und daß Ihr jetzt all
die Weiber krischt, die Ihr immer gehabbt hawwe wolle! Gewinne macht sexy. Ihr Meenzer habt in der
kommenden Spielzeit zwei Möglich-keiten: Entweder
Ihr landet in dieser erlauchten Runde sofort auf dem letzten Platz und seid
anschließend wieder draußen - oder? Ja, oder Ihr setzt Euch überfallartig an die
Spitze des Unternehmens und werdet Deutscher Meister. Was heißt hier: Geht nit? Hat Lautern auch schon mal geschafft. (Hallo, Lautern, auch Euch meinen
allerherzlichsten Wunsch zu eurem Verbleibungsglück! Zwei
Lieblingsvereine in Liga Eins - und beide abgestiegen, das hätte ich
nicht ausgehalten). Im Gegensatz zu den roten Teufeln damals habt Ihr
Mainzer zwar nicht die Klasse für Ganz Oben, doch ist die Gelegenheit
günstig: Die große Zeit von Bayern München ist passé, Bremen war für sich
selbst ein Glücksfall, der so rasch nicht wieder eintritt. Stuttgart kaut
daran, daß man den dritten Platz Leverkusen
überlassen mußte und wird fortan von
Minderwertigkeitsgefühlen geplagt sein, und die anderen spielen routiniert
ihren uninspirierten Stiefel weiter runter wie bisher. Also macht was draus,
Ihr Handkäs-Athlete! ÜBERFALLARTIG habe ich gesagt,
in einer Art AMOKLAUF wie elf Geisteskranke! Damit rechnet doch keiner, und
wenn Ihr dann nächstes Jahr um diese Zeit Deutscher Meister wäret, könntet Ihr noch ein weiteres Jahr dort oben
mitspielen, ehe es Euch wieder hinab in den Waggon zweiter Klasse verschlägt.
Hätte das Volk den Bundespräsidenten wählen
dürfen, würde es statt dieses anonymen grinsenden Wirtschaftspinsels heute
mit Sicherheit für Jürgen Klopp gestimmt haben; zumindest hier in Mainz wären
ihm alle Stimmen sicher gewesen. Statt dessen... Tja, wann wird hierzulande
schon mal das Volk gefragt, wenn’s um was geht?
.-.-.-. Spielkamerad Michael Wierick
hat ein hinreißend dynamisches Werbeplakat für meine SIGAR (Sinnreiche
Intergalaktische Abwurf-Rampe) geschaffen, auf dem eine SIGAR gleich einem
Bumerang durch den Äther zu schweben scheint und die Welt dahinter nur noch
eine kleine Kugel ist. Phantastisch! Wenn auch ein wenig zu euphemistisch.
Aber die Wolken sind halt einfach Spitze. Doch seht selbst. Leider wissen interglobal noch immer nicht alle Pétanquisten, was es mit SIGAR auf sich hat. Deshalb will
ich gerne der Anregung von Michael folgen und nächstens eine kleine
Entstehungsgeschichte dieser Kreismarkier- und Wurfakzelerations-hilfe
liefern. Liefern kann im Moment allerdings nicht die Firma Rossignol,
welche die Produktion der SIGAR-Module übernommen
hat, gegenwärtig aber die erforderlichen Spezi-alhölzer
für die Schichtenverleimung nicht geliefert bekommt. Diese künftig aus Esche, Eibe, Eiche und Espe mit
einer Lage Speierling (ja, der Eintracht-Fan als Äppelwoitrinker kennt natürlich die Früchte dieses
wunderbaren Gehölzes, besonders wenn er wegen zuviel von dem Stöffche oder einem Eintracht-Spiel speien muß) zusammengefügten Prachtstücke sind unverwüstlich,
ganz im Gegensatz zu den bisher fabrizierten übersensiblen SIGAR-Exemplaren, von denen so gut wie keines mehr
existiert, weil sie fast alle unter der Aufprallwucht äußerst schlampig
gezielter Carreaus zerborsten sind. Eine ebenfalls
nicht geringere Anzahl fiel Souvenir-Jägern zum Opfer, ging verloren oder
wurde von verbitterten, besiegten Gegnern darob im Boden verscharrt.
Wenigstens wurde keines der guten Stücke
von den Motten gefressen. So bald der Nachschub in trockenen Tüchern ist (wer hat sich bloß diese dümmliche Floskel ausgedacht?), melde ich mich in nämlicher Sache an hiesiger Stelle wieder. Nein, eine SIGAR hat keine Ähnlichkeit mit einem Bumerang. Gar keine! Ist das klar? So viel aus schon nicht mehr aktuellem Anlaß für heute. Nächstens mehr - auch unter der neu
eingerichteten Bullietin-Spalte „Kurz und
uninteressant“. Danke.
.-.-.-. Also zurück zu den Murmeln, die die Welt bedeuten.
Was wird so gesprochen auf dem Boule-Platz? Das habe ich mich gefragt und
natürlich gleich die Antwort gewußt, denn was die Joueurs und Joueuses während
einer Partie da so rausbrüllen, lamentie-ren,
hauchen oder in sich hineinknurren, ist verbaler Ausdruck permanent sich
abspielender Dramen teils komischer, teils gera-dezu
tragischer Natur. Ich brauche nicht zu erwähnen, daß
die-ses Vokabular zwar eindrucksvoll, aber nicht
umfangreich ist. Das wird auch in Frankreich nicht anders sein,
dennoch habe ich deren spezielle Ausdrücke bis heute noch nicht drauf, und
irgendein Franzose, der hier bei uns dem Pétanque
nachgeht, sollte uns mal damit vertraut machen, damit wir an der Riviera wenn schon nicht spielerisch glänzen, so doch
fachgerecht fran-zösisch schimpfen und fluchen
können. Besonders damit, was man in keiner deutschen Sprachenschule an
Fremdsprachlichem lernt, kann man sich im Ausland Achtung, Anerkennung und
Respekt verschaffen. Ein „Merde“ sagt mehr als
tausend Worte. Deutsch für Boule-Spieler: Situation: Zu Beginn einer Partie alle zusammen rufen: Schönes
Spiel! Wenn das Spiel nicht beginnen kann, weil das Cochonet
fehlt: Hat
jemand e Sau? |
OM-BULLETIN 3 / 2004
Hallo, Fans, nach langem sinnlosen Schweigen mal wieder ein paar kesse Töne von Olympique Mayence. Karnevalverein Mayence 05 ist auf dem besten Weg zum Titel, und das ist so ungefähr das einzig Positivste, was sich z.Zt. über die Republik sagen läßt. Immerhin. Meine Boule-Kugeln habe ich schon so lange nicht mehr fliegen lassen, daß sie bereits Grünspan ansetzen; die sind nämlich aus einer Kupfer-Platin-Gold-Legierung, müßt Ihr wissen, und bilden meinen ganzen Reichtum für den Fall, das der Euro auch den Berg hinuntergeht bzw. der Staat sogar den Nackten noch in die Tasche greift.. Habt Ihr übrigens Eure Weihnachtsgeschenke schon? Nein? Dann wird’s aber Zeit. Ich darf Euch nun zur Einstimmung in das jährlich wiederkehrende, beseligende Horrorfest eine kleine herzwärmende Herbstbegebenheit erzählen, um Euch die Warte-zeit bis Weihnachten zu verkürzen, und denkt dran: Nur noch (je nachdem wo Ihr zu Hause seid) etwa 45 mal Schlafen, dann ist es wieder so weit. Und nun hört meinen Bericht: Die Eskalation der BesinnlichkeitMontag, 11. Oktober: Schönster Altweibersommer. Noch einmal Menschen in
T-Shirts und Sandalen in den Straßencafés und Biergärten. Bisher keine
besonderen Vorkommnisse in den Geschäftsstraßen der Stadt. Dann, plötzlich, 10.47 Uhr kommt der Befehl des
Plus Geschäftsführers Erich B. „Fünf Paletten Lebkuchen und Spekulatius in
den Empfangsbereich. Aber dalli!“ Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.
Zunächst reagiert Minimal-Filialleiter Martin O. eher halbherzig mit einem
erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse. 15.07 Uhr: Edeka-Marktmanager Wilhelm T. hat die Mittagspause
genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage. 16.02 Uhr: Die Filialen von Penny und Tengelmann
bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von
Lieferschwierigkeiten nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachts-Stillhalteabkommen
bis zum 20. Oktober. Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis. Dienstag, 12. Oktober: 07.30 Uhr: Im Eingangsbereich von Karstadt bezieht
überraschend ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während zwei
Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbeihastende Schulkinder
zu ihren Weihnachtswünschen verhören. Zeitgleich erstrahlt die
Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260.000 Elektrokerzen und ein
defektes Neontransparent wünscht „_ROHE WEIHNACHTEN!“ Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur
ohnmächtig zuschauen. Immerhin haben jetzt auch Kaufhof, Aldi und Norma den
Ernst der Lage erkannt. Mittwoch, 13. Oktober: 09.00 Uhr: Edeka setzt Krippenfiguren ins Gemüse. 09.20 Uhr: Minimal kontert mit massivem Einsatz
von Rauschgold-Engeln im Tiefkühlregal. 10.05 Uhr: Bei Walmart verirren sich Dutzende von
Kunden in einem Wald von Christbäumen. 12.00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei Real: An der
Käsetheke wird mit sofortiger Wirkung ein „Frohes Fest“ gewünscht. Die Schlemmerabteilung von Horten kündigt für den
Nachmittag Vergeltungsmaßnahmen an. Donnerstag, 14. Oktober: 07.00 Uhr: Karstadt schaufelt Kunstschnee in die
Schaufenster. 08.00 Uhr: In einer eilig einberufenen
Krisensitzung fordert der aufgebrachte Penny-Geschäftsführer
Walter T. von seinen Mitarbeitern lautstark: „Weihnachten bis zum Äußersten“
und verfügt den pausenlosen Einsatz der konkurrenzseitig gefürchteten CD:
„Weihnachten mit Mireille Matthieu“ über
Deckenlautsprecher. Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig. Freitag, 15. Oktober 08.00 Uhr: Anwohner der Ludwigstraße versuchen,
mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung die nun von Karstadt angedrohte
Musikoffensive „Heiligabend mit den Flippers“ zu stoppen. 09.14 Uhr: Ein Lidl-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen
rammt den Posaunenchor „Adveniat“, der gerade vor
dem Kaufhof zum großen Weihnachtsoratorium ansetzt. 09.30 Uhr: Lidl dementiert. Es habe sich bei der
Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern um Christbaumkugeln gehandelt. 18.00 Uhr: In der Stadt kommt es kurzfristig zu
ersten Engpässen in der Stromversorgung, als der von Tengelmann beauftragte
Rentner Erwin Z. mit seinem Flak-Scheinwerfer Marke „Varta Volkssturm“ den
Stern von Bethlehem an den Himmel zeichnet. Samstag, 16. Oktober Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden
zunehmend agressiver. Über das Personal wird
präventiv absolute Urlaubssperre verhängt. 10.37 Uhr: Auf einem Polizeirevier meldet sich die
Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Norma-Parkplatz
zum Verzehr von Glühwein und Christstollen
gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos. 12.00 Uhr: Seit gut einer halben Stunde beschießen
Karstadt, Kaufhof und Spar die Einkaufszone mit Schneekanonen. Das
Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst. 14.30 Uhr: Teile der Innenstadt sind unpassierbar.
Eine Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der Bergung von
Eingeschlossenen - Menschen wie Du und ich, die nur einmal noch in der
schönen Herbstsonne bummeln wollten. *** Melde mich bald wieder, hoffe ich, und dann reden
wir, wegen des passenden Flairs bitte bei einer schönen Flasche Bordeaux,
über unseren geliebten Boule-Sport. Bis dann, Euer Fred. |